Akiko Nojiri
野尻 明子
Kurze Geschichte des Cha no Yu

Das älteste „Teetrinken“ in der japanischen Literatur fand im 9. Jh. am Hofe des damaligen Kaisers in Kyoto statt. Der Tee (welcher Tee ist unbekannt) kam aus China, das für die damaligen Japaner als ein hochentwickeltes Land galt.

Der buddhistische Priester Yosai (auch Eisai ausgesprochen) hat als erster im 12. Jh.
den Zen-Buddhismus und dessen Ritual mit gemahlenem Tee (Matcha) aus China nach Japan eingeführt.

Zwischen dem 13. und 15. Jh. hat die Oberschicht der Samurai-Gesellschaft oft Teezusammenkünfte mit Ausstellung zahlreicher chinesischen Möblierungen und mit dem Erraten der Teesorte gehalten. Die Zahl der Gäste betrug manchmal bis zu 70 Personen. Diese Form der Teezusammenkunft in Luxus wurde Tôcha genannt.

Teezusammenkünfte wurden auch unter dem Adel und den Bürgern immer öfter durchgeführt, die oft mit Ratespiele, Trinkgelage, Badespaß, etc. begleitet wurden.

Murata, Jukô ( 1423-1502 ), ein Zen-Priester in Nara, hat eine spirituelle Teezusammenkunft für wenige Gäste mit herzlicher Bewirtung gestaltet. Er hat nicht nur chinesisches, sondern auch japanisches Teegeschirr verwendet. Das Urbild des heutigen Cha No Yu.

Die besinnlichen und kreativen Teezusammenkünfte wurden von den reichen gebildeten Kaufmännern in der damals lebendigsten Hafenstadt Sakai, lebendig durchgeführt. Takeno, Jôô (1502 – 55) hat dichterlichen Geist und Zen-Lehre in Cha NoYu zusammengesetzt. Er hat nicht nur anerkannte chinesisches sondern auch japanisches und koreanisches Geschirr nach seinen ästhetischen Kriterien verwendet. Der Begriff „Wabicha“ entstand.

Senno, Rikyû ( 1522 – 91 ), ein Schüler von Takeno, Jôô und ein Kaufmann aus Sakai, vertiefte das Cha No Yu mit seinen außergewöhnlich kreativen Ideen auf vielfältige Weise. Durch die Gunst von Toyotomi, Hideyoshi (1536-98), der damalige Herrscher Japans, wurde Rikyû der oberste Teemeister und auch politisch mächtig. Die wichtigen Daimyôs (Samurai-Fürsten) wurden seine Schüler. Allerdings brachte er sich mit 69 Jahren auf Hideyoshis Befehl um.

Nach Rikyûs Tod galt Cha no Yu bis zur Mitte des 19 Jh. als eine notwendige Bildung für die Samurai-Fürsten. Auch unter der Kaisersfamilie, der Adelschaft und den Zen- Priester wurde Cha no Yu üblich.

Seit dem 17.Jh. wurde Cha no Yu populär, so daß aufgrund der großen Zahl an Lernenden die Lernmethode für die Masse genormt wurde. Zahlreiche Bücher über Cha No Yu wurden auch von den Bürgern verlegt. Die Kreativität und Spiritualität gingen dadurch im Cha no Yu verloren. Das Verwenden des Wortes „Sadô/Chadô“ als Tee-Weg war ein Versuch gegen die Banalisierung vorzugehen. Es gab trotzdem einige bedeutende Teemenschen unter den Samurai-Fürsten, wie Matsudaira, Fumai und Ii, Naosuke.

Im 19 Jh. verlor Cha no Yu durch die Politik der Meiji-Regierung (1868 – 1912), die das ganze Japan europäisieren wollte, Schüler und Unterstützung.

Die von den Samurai-Fürsten verkauften Teegeräte kamen in Besitz der emporkommenden, reichen Geschäftsmänner und Politiker. Die Teezusammenkünfte mit vielen Berühmtheiten wurden am Ende des 19.Jh. Salonfähig. Gleichzeitig kamen Bewegungen zur Modernisierung der Lernmethode auf, Cha no Yu nicht nur in der Handhabung, sondern auch durch die Literatur zu lernen.

Wegen der Niederlage im 2. Weltkrieg geriet Cha no Yu in die Krise aufgrund des heftigen Zweifels am japanischen Selbstbild. Mit dem wirtschaftlichen Aufstieg Japans lernten immer mehr Frauen Cha no Yu, um Sitte und Manieren für den Alltag zu lernen. Die ursprünglichen Absichten des Zens und freie Kreativität im Cha no Yu zurück zugewinnen, ist eine wichtige Aufgabe für die heutigen Lehrenden.

Teeschale: Katsumi Kako / Kyôto